Ehemalige Dombaumeisterin besucht die Senioren-Union

Am Mittwoch, dem 21. März 2018 wurde es im großen Saal des Restaurant- Hotel-Cafés Gronauer Tannenhof lange vor Beginn des Mittwochstreffs brechend voll. 114 Besucher (Mitglieder und Gäste) folgten der Einladung der Seniorenunion. Der Andrang war so groß, dass der Saal wegen Überfüllung leider geschlossen werden musste. Anlass war: Gastrednerin Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, die ehemalige Dombaumeisterin am Hohen Dom zu Köln.
Sie alle wollten von der Architektin, Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin, Hochschullehrerin und natürlich Dombaumeisterin einen Einblick in ihre Tätigkeit der vielfältigen Aufgaben erhalten. Hier trifft sich Kunst mit Mathematik. In Bad Cannstatt geboren, schilderte sie die einzelnen Stationen
ihres Lebenslaufs bis zu ihrer Berufung, am 01.01.1999, die Tätigkeit als Dombaumeisterin aufzunehmen. Das Domkapitel hatte sich für sie entschieden. Schon früh entdeckte sie ihr Interesse an der Architektur. Büroarbeit lag ihr nicht. Ihr Vorbild war der frühere Dombaumeister Prof. Arnold
Wolff. Frau Dr. Schock-Werner lernte zunächst den Beruf einer Bauzeichnerin, arbeitete als Maurer und Zimmermann und studierte Architektur. Ihr Augenmerk galt dem Sakralbau und hier dem mittelalterlichen, gotischen Dom Bau. Sie besuchte dafür bekannte Dombauhütten in Deutschland
und Europa und verschaffte sich Einblicke in Aufbau und Erhaltung dieser Bauwerke. Sie war mit an der Erstellung der Pläne für das Olympiastadion in München beteiligt. Ihren weltweiten Ruf erwarb sie sich durch ihre Arbeit als Dombaumeisterin in der Zeit von 1999 bis 2012.

Bohrungen im Dom dürfen nicht vorgenommen werden .Das zum Bau der Kathedrale vorwiegend verwendete Material wie Sandstein vom Drachenfels und Schlaitdorfer Sandstein aus dem Neckarraum verbieten dies. Vorgänger unseres heutigen Doms war der karolingische Hildebolddom, um 873 erbaut. Der damalige Erzbischof und Erzkanzler Rainald von Dassel schenkte der Stadt die Reliquien der Hl. Drei Könige. Für sie sollte ein würdiger Sakralbau entstehen, der auch für das ganze Reich ein Wallfahrtsort werden sollte. Im Jahre 1248 begann der Bau auf Veranlassung des damaligen
Erzbischofs Konrad von Hochstaden und endete vorläufig 1322. Erst 1844, im Zeitraum der Dombaubewegung wurde weiter gebaut und 1880 erfolgte dann die feierliche Einweihung.

Die Kölner Dombauhütte beschäftigt eine Vielzahl von Mitarbeitern aller erforderlichen Gewerke. Seien es Gerüstbauer, Restaurateure, Elektrotechniker, Bildhauer, Maler usw. Man erhielt Einblick in die vielfältigen Aufgaben einer Dombaumeisterin. Oft sind die Farben an Gemälden verblasst, fehlen
Körperteile an Skulpturen, müssen Beschallung und Beleuchtung erneuert werden, Hinweisschilder in den gebräuchlichen Sprachen angefertigt und Glasfenster restauriert werden. Frau Dr. Schock-Werner schilderte ihr spannendstes Erlebnis mit einem Lächeln: Im Westquerschiff sollte ein neues
Glasfenster eingesetzt werden. Auf einem Geburtstagsempfang, an dem auch Gerhard Richter teilnahm, fragte sie ihn, ob er für den Kölner Dom ein Fenster schaffen würde. Er wollte. Das Kölner Domkapitel war ebenfalls einverstanden. So erhielt der Dom sein weltbekanntes „Richterfenster“.
Die Dombaumeisterin erhielt für ihren Vortrag einen langanhalten den, verdienten Applaus. Herr Klein überreichte ihr als Dank für ihre hochinteressanten Ausführungen einen kleinen Dom unter Glasdes Künstlers Heiner Düsterhus.

Text und Fotos: Wilhelm Laufenberg